Geschichte des Waggons
Der Wagen wurde 1891 von der Grazer Waggon- & Maschinen-Fabriks-AG, vorm. Joh. Weitzer hergestellt und an die Salzkammergut-Lokalbahn (SKGLB) geliefert. Er erhielt dort die Nummerierung C24. Das „C“ bedeutete Personenwagen 3. Klasse. Der 2-achsige Wagen hatte 24 Sitzplätze und war mit einer eigenen Bremse ausgestattet. Auf dem Foto ist der annähernd baugleiche B151 zu sehen.
Grafik: Aus: Krobot; Slezak; Sternhart: Schmalspurig durch Österreich. Wien: Slezak, 1975. S. 313.
Der Wagen-Aufbau wurde 1925 (von der Grazer Waggonfabrik AG) komplett erneuert und seitdem als Dienst- und Gepäckwagen der SKGLB mit der Nummer D24 eingesetzt. Das „D“ steht für Dienstwagen. Der Innenraum bestand aus einem Dienstabteil mit 2 kleinen Seitenfenstern und einem Gepäckabteil mit 2 großen Schiebetüren an beiden Seiten. Der Aufbau bestand aus einem Holzgerüst, das außen mit Blech beschlagen war. Die Innenwände waren mit schmalen Holzlatten verkleidet. Die Außenfarbe war dunkelgrün.
1930 wurden alle Wagen-Nummerierungen der Salzkammergut-Lokalbahn geändert. Der Wagen erhielt die neue Bezeichnung D757. Das „D“ Steht wiederum für Dienstwagen. Auf dem Foto ist der baugleiche D761 zu sehen.
1930 wurden alle Wagen-Nummerierungen der Salzkammergut-Lokalbahn geändert. Der Wagen erhielt die neue Bezeichnung D757. Das „D“ Steht wiederum für Dienstwagen. Auf dem Foto ist der baugleiche D761 zu sehen.
Aus: Alfred Luft: Die Feistritztalbahn. Weiz – Birkfeld – Ratten. Murau: club 760, 1975.
Am 30. September 1957 fuhr der letzte planmäßige Personenzug der Salzkammergut-Lokalbahn, der von zehntausenden Besuchern entlang der Strecke begleitet wurde. Die letzten Zugfahrten fanden im Sommer 1958 im Zuge der Gleisabtragung statt. Viele Loks und Wagen wurden an die Steiermärkischen Landesbahnen (StLB) verkauft, darunter der D757. Der Dienstwagen wurde in der Folge auf der Strecke der Lokalbahn Weiz-Ratten eingesetzt und erhielt die neue Wagennummer D55. Das „D“ steht wiederum für Dienstwagen. Der Dach- und Kastenaufbau (Tonnendach, zusätzliches Seitenfenster) wurde modifiziert. Auf den Fotos ist der D55 1961 als 1. Waggon hinter Lok U7 bei Anger und Strallegg zu sehen.
Aus: Schellauf; Zehetner: Auf Schienen unterwegs: 100 Jahre Feistritztalbahn. Erfurt: Sutton, 2011. S. 41.
Aus: Schellauf; Zehetner: Auf Schienen unterwegs: 100 Jahre Feistritztalbahn. Erfurt: Sutton, 2011. S. 23.
Im Jahr 1975 wurde der Wagen als D55 im Fahrzeugstand der Steiermärkischen Landesbahnen gelistet. Danach wurde die Nummerierung noch einmal in D87 geändert und die Lackierung erneuert (weiß/grün). Die Nutzung des Wagens ist seit 1973, dem Jahr der Einstellung des öffentlichen Personenverkehrs auf der Strecke Weiz-Birkfeld stark zurückgegangen. Auf dem Foto aus dem Jahr 1967 ist der D55 in Anger als 2. Waggon hinter der Lok U44 gereiht.
Am 30. September 1957 fuhr der letzte planmäßige Personenzug der Salzkammergut-Lokalbahn, der von zehntausenden Besuchern entlang der Strecke begleitet wurde. Die letzten Zugfahrten fanden im Sommer 1958 im Zuge der Gleisabtragung statt. Viele Loks und Wagen wurden an die Steiermärkischen Landesbahnen (StLB) verkauft, darunter der D757. Der Dienstwagen wurde in der Folge auf der Strecke der Lokalbahn Weiz-Ratten eingesetzt und erhielt die neue Wagennummer D55. Das „D“ steht wiederum für Dienstwagen. Der Dach- und Kastenaufbau (Tonnendach, zusätzliches Seitenfenster) wurde modifiziert. Auf den Fotos ist der D55 1961 als 1. Waggon hinter Lok U7 bei Anger und Strallegg zu sehen.
Die Marktgemeinde Stainz betrieb seit 1981 die Stainzerbahn („Flascherlzug“). 1992 erwarb sie den Dienstwagen für einen geplanten Fahrbetrieb. Tatsächlich diente der D87 nur noch als Getränke- und Würstelstand und erhielt eine neue Lackierung (blau). Zuletzt war er als nicht mehr fahrbereiter Imbisswagen am Sportplatz von Stainz stationiert.
Im Jahr 2014 wurde der Wagen vom Verein der Freunde der Stainzerbahn an die Region Oststeirisches Kernland verkauft und in Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde Anger zum Waggonhotel, einen Schlafwagen der besonderen Art, umgebaut. So gelangte der Dienstwagen zur Feistritztalbahn, dem Einsatzgebiet zwischen 1958 und 1981, zurück. Der Wagenkasten aus Holz musste aber vollkommen neu aufgebaut werden, da die 89 Jahre alte Holzkonstruktion an vielen Stellen irreparabel war. Der neue Aufbau wurde von Lieb Bau Weiz und zahlreichen Angerer Betrieben gefertigt.

Als neuer bzw. alter Standort wurde der Bahnhof Anger gewählt, der damit auch eine neue touristische Bedeutung erhält. Der Wagen besteht aus einem Schlafabteil, einem Wohnabteil und einer Nasszelle an der Stelle des ehemaligen Dienstabteils. Die Bettplätze sind, für Schlafwagen dieser Spurweite typisch, längs zur Strecke angeordnet. Da keiner der „echten“ Schmalspur-Schlafwagen intakt bzw. erhalten geblieben ist, stellt somit das Waggonhotel Anger den einzigen dieser Spurweite in Europa dar. Artefakte seiner abwechslungsreichen und über 120 jährigen Geschichte als Personen-, Dienst-, Gepäck- und Postwagen finden sich im Wageninneren wieder – eine Überraschung und Entdeckungsreise.

Geschichte der Schmalspur-Schlafwagen
Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Šarganska_osmica
Gab es überhaupt „richtige“ Schmalspur-Schlafwagen? Wenn ja, wo waren sie im Einsatz?
Hinweise auf Schmalspur-Schlaf- bzw. Liegewagen der Spurweiten 750 und 760 Millimeter sind extrem selten zu finden. Diese Wagen-Bauart war auf wenigen Strecken im Einsatz, die jedenfalls eine Länge von zumindest 150 Kilometern aufwiesen und zugleich eine Fahrtzeit von zumindest 12 Stunden bedeuteten.
Europa historisch – Jugoslawien:
Die einzigen bekannten Schmalspur-Schlafwagen in bosnischer Spurweite (760 Millimeter) in öffentlichem Fahrplanverkehr waren auf der Strecke Belgrad-Sarajevo-Dubrovnik als eine Variante der Donau-Adria-Bahn im Einsatz. Das in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie begonnene und im Königreich Jugoslawien (SHS-Staat) bis 1941 weiter ausgebaute Schienen- und Betriebsnetz war das leistungsfähigste und komfortabelste dieser Spurweite. Die Transitlinie Belgrad-Dubrovnik war ab 1928 vollständig befahrbar. Sie führte von Belgrad nach Užice, weiter über die Šarganbahn über den eisenbahnhistorisch legendären Šargan-Pass (Šarganer Achter) nach Vardište und von dort weiter über die bosnische Ostbahn nach Sarajevo (450 Kilometer). Von Sarajevo ging es über die Narentabahn über den Ivan-Pass (teilweise Abt-Zahnstangenbetrieb) nach Mostar, weiter Richtung Küste und über die Dalmatiner Bahn nach Dubrovnik, wo der Fernverkehr im Hafen von Gruž/Dubrovnik (nach 270 Kilometern) bzw. in Zelenika/Bucht von Kotor endete.
Allerdings wurde die Strecke ab 1941 durch Kampfhandlungen bei Užice unterbrochen und der durchgehende Transitverkehr trotz Instandsetzung der Strecke nach 1945 nicht wieder aufgenommen.
Für die über 700 Kilometer lange Strecke brauchte man mit allen Zwischenaufenthalten über einen Tag. Legendär waren die Schnellzüge, die Liegewagen und Speisewagen mitführten. Die Bett- und Liegeplätze waren in den Schmalspurwaggons aus Platzgründen nicht quer zur Strecke wie in Normalspur-Schlafwagen angeordnet, sondern längs zur Strecke. Diese Anordnung ist für Schmalspurwagen typisch und findet sich daher auch im Waggonhotel Anger wieder.
Auf dieser anspruchsvollen Strecke waren auch die leistungsstarken Dampflokomotiven der Baureihe 83 der Jugoslawischen Staatsbahnen (JDŽ) unterwegs. Auch auf der Feistritztalbahn ist heute eine Lok dieser Reihe im Einsatz, die 83.180, Baujahr 1949 des Herstellers Ðuro Ðakovic/Slavonski Brod. Das Foto zeigt den Šarganer Achter, 1970.
Europa historisch – Estland:
Es gibt noch einen Hinweis aus Estland. Vor 1940 waren auf der über 150 Kilometer langen Schmalspurstrecke Tallin-Viljandi (750 Millimeter) auch Schlafwagen der Eesti Raudtee (estnische Eisenbahngesellschaft EVR) im Einsatz.
Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Eesti_Raudtee
Europa gegenwärtig – Ukraine:
Liegewagen waren bis vor einigen Jahren auch auf dem Ukrainischen Schmalspurnetz von Hajworon (750 Millimeter) unterwegs, auf der 130 Kilometer langen Strecke Rudnyzia-Hajworon-Holowaniwsk, Oblast Kirowohrad. Es handelte sich um Liegewagen der polnischen Firma Pafawag/Wrocław.
Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Schmalspurnetz_Hajworon
Asien gegenwärtig – Russland:
Einen Hinweis für den aktuellen Einsatz von Schmalspur-Schlafwagen (750 Millimeter) gibt es aus Russland, Oblast Swerdlowsk/Westsibirien. In der Stadt Alapajewsk, etwa 150 Kilometer Luftlinie nördlich von Jekaterinburg gelegen, beginnt eine Schmalspurbahn in der Spurweite von 750 Millimeter. Auf der über 250 Kilometer langen Strecke der Waldbahn Alapajewsk sind bis heute noch einfache Liegewagen im Einsatz. Auf der Strecke verkehren mehrmals die Woche Nachtzüge nach Sankino. Die Strecke endet in Kalach und stellt das größte noch bestehende Netz dieser Spurweite in Russland dar. Das Foto zeigt einen Liegewagen der Waldbahn Alapajewsk, 2010.
Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Waldbahn_Alapajewsk
